Dr. Eckhard Starke
Sinnweg 13
63071 Offenbach

Reisebericht A 4, SY " Anita ", DJWB, vom 17.6.2004 bis 1.7.2004

Am 16.6. kamen Margitta Schlensog, Barbara Tetzak und ich in Funchal/ Madeira an. Ein großer Teil der Crew war schon einige Tage vorher angereist und hatte sich ein Hotel genommen. Da die Anita schon im Hafen lag, hatten sie auch schon mit der Vorcrew gesprochen. Fabian Kuhl, dritter Wachführer, informierte mich schon telephonisch am Flughafen über die Liegeplatzsituation im Hafen. Infolge unzureichender Abfenderung war die Anita zweimal gegen die Pier gestoßen, nachdem einlaufende Schiffe Schwell verursachten. Auf meine Anweisung und durch seinen Eindruck vor Ort, wurden die Fender neu positioniert und vor Allem gegen Verrutschen gesichert. Auch das Fenderbrett wurde ausgebracht.
Als ich am frühen Abend an Bord kam, war soweit alles gesichert, Anita lag gegen Schwell geschützt an der Industriepier. Übergabe am selben Abend. Es gab keine wesentlichen Beanstandungen. Andreas Neumann berichtete von der Schiene am Großmast für die Großsegelrutscher. Da sie im oberen Teil des Mastes defekt sei, würden die beiden ersten Rutscher regelmäßig ausklinken. Beim Segeln ohne Reff sei das aber kein Problem.
Nach Überprüfung konnte ich das nicht nachempfinden, mit Bordmitteln konnte die Schiene gerichtet werden, auf meinem Törn rauschte kein Rutscher mehr aus.
Am Nachmittag empfingen wir die ehemalige Konsulin Frau Elisabeth Gesche an Bord. Wir wurden für den Nachmittag in ihr Haus eingeladen und erlebten geschichtsträchtige Stunden in ihrem 1834 entstandenen Anwesen. Schon ihr Vater und ihr Großvater waren Konsule in Madeira, die Gästebücher hatten 16000 Unterschriften. Wir übergaben ihr einen SKO- Wimpel und unterschrieben ebenfalls in ihrem Gästebuch.
Ebenfalls besuchten wir den Versorger der Bundesmarine Westerwald.

Wegen der hohen Liegekosten verließen wir am 18.6. um 15.00 Uhr Funchal ohne Dinghiunterstützung. Erst am 20.6. hatten wir uns von Madeira freigesegelt bei nordwestlichen Winden zwischen 1 und 3 Bft. Am 21.6. frischte der Wind aus dergleichen Richtung etwas auf, in der Nacht zum 22.6. regnete es ab und zu etwas. Am Nachmittag des 22.6. brach bei 4-5 Bft. der Karabinerhaken des Backbordbackstags. Beigedreht wechselten wir den Haken aus und setzten die Genua II. am 23.6. nahm der Wind etwas ab, drehte mehr auf West. Wir machten ein Etmal von 151 sm und bekamen am 24.6. um 15.00 Uhr Sao Miguel in Sicht. Der Wind drehte über West auf südliche Richtungen und nahm zu auf knapp 6 Bft., es war bewölkt mit Regenschauern. Hin und wieder Böen bis 7 Bft.. Wir konnten die Richtung auf unser erstes Ziel – Ponta Delgada – nicht halten und lagen in der Nacht zum 25.6. östlich der Insel. Möglicherweise im Windschatten machten wir bei einschlafendem Wind kaum Fahrt. Erst am nächsten Tag drehte der Wind auf nördliche Richtungen und frischte etwas auf. Am Morgen des 27.6. segelten wir an Pico vorbei und bargen um 15.35 Uhr vor Horta das Großsegel. Wir brachten das Dinghi aus, konnten aber ohne dessen Hilfe in den Hafen segeln, wo wir um 17.30 Uhr vor Anker gingen.
927 Meilen lagen hinter uns.
Wir haben mehrere Male ein Boje über Bord – Manöver gefahren mit unterschiedlichen Taktiken. Die Zeiten bis zum Einholen der Boje verbesserten sich von einer halben Stunde auf 8 Minuten. Die Manöver wurden immer ohne Vorankündigung zu verschiedenen Zeiten und mit verschiedenen Wachen gefahren, wobei es selbstverständlich ein Alle- Mann- Manöver war. Vor Anker liegend übten wir im Hafen von Horta am 28.6. noch das Bergen eines Mannes mit Schwimmweste mit Hilfe des Großfalls.

In Peters Cafe hinterließen wir einen SKO- Wimpel, auf der Pier hinterließen wir ein künstlerisches Andenken von der Anita, nachdem wir am 29.6. dorthin verholten. Beim Anlegemanöver vertörnte sich der hintere Festmacher um die Verpackung der Mann über Bord – Spiere und riss die Plastikumhüllung auf.
Besuche auf anderen Schiffen und eine Inselrundfahrt rundeten den harmonischen Törn ab.
Am Mittwoch, den 30.6. verließen die ersten 5 Leute der Crew die Azoren Richtung Heimat. Am 1.7. übergaben wir die Anita in gutem Zustand an Klaus Dettmann.

Insgesamt eine schöne Reise ohne große Aufregungen und ohne extreme Wetterbedingungen. Fabian Kuhl ist als Wachführer sehr besonnen und verlässlich. Er wird in Zukunft sicher auch ein guter Skipper sein und kann der SKO durch seine Beziehungen zum IBM- Club und seiner Stellung in der Segelabteilung dieses Clubs auch neue Mitglieder werben. Das ebenfalls neue Mitglied Andreas Roloff kann ebenfalls in Zukunft mehr Verantwortung auf den Reisen mit der Anita übernehmen.
Die Mannschaft stand vor der Reise in einem regelmäßigen Kontakt und traf sich einmal zu einer Vorbesprechung. Zur Vorbereitung dienten die Karten E 1, Arquilago dos Alcores, Nr. 820, Azoren, C 20, strait of gibraltar to aquilago dos acores and islas canarias, Nr. 3132, strait of gibraltar to aquilago da madeira sowie Nr. 243 aquilago da madeira. Neben der vielfältigen Information über Internet nutzten wir den Reiseführer Atlantik, 1. Auflage 1999, DSV- Verlag sowie den Taschenatlas Klimastationen von Höller und Zwick. Auf den Inseln lagen mehrere Touristenführer der einzelnen Crewmitglieder vor, die ich im Einzelnen nicht extra aufführen möchte.
Die Wachen waren in drei Gruppen zu je drei Mann / Frau aufgeteilt mit jeweils einem Wachführer. Bei Allemann- Manövern hatte jedes Crewmitglied eine fest umschriebene Aufgabe, die während des gesamten Törns beibehalten wurde. So konnten die Manöver auch in schwierigen Situationen routiniert durchgeführt werden, ohne dass jedes Mal eine erneute Einweisung notwendig wurde.
Lediglich bei den wiederholten " Mann über Bord "- Manövern blieb es den entsprechenden Wachführern vorbehalten, eine schnelle Einteilung der greifbaren Crewmitglieder vorzunehmen. Es sollte damit eine reelle Situation geschaffen werden. Die Erfahrung zeigte, dass derartige Manöver wiederholt gefahren werden sollten, um hier eine möglichst große Routine zu erreichen. Der Zeitverlust war im Endeffekt unbedeutend.
Die Mannschaft setzte sich aus Männern und Frauen mit unterschiedlicher Erfahrung im Segeln zusammen. Wie so oft, war es am schwierigsten, die einzelnen Wachen möglichst "gleichwertig" in Bezug auf die seglerische Leistungsfähigkeit zusammenzusetzen. Es gab auf dieser Reise keine Differenzen.

Dr. Eckhard Starke, Skipper Anita, DJWB, Törn A4 / 2004

Jetzt noch einige Bilder von dem Törn

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